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Gemeinsam einen neuen Raum gestalten (Teil 1) Der Fachbeitrag indeland 2.0 – Diese Ziele verfolgen die indeland-Kommunen

24.07.2019 13:33

Gemeinsam einen neuen Raum gestalten (Teil 1)
Der Fachbeitrag indeland 2.0 – Diese Ziele verfolgen die indeland-Kommunen

Wie wird das indeland in Zukunft aussehen? Wo entstehen neue Arbeitsplätze? Welche Orte bieten jungen Familien ein neues Zuhause? Wichtige Antworten auf diese Fragen liefert der Fachbeitrag indeland 2.0, den die Entwicklungsgesellschaft indeland (EwiG) im Juni bei der Bezirksregierung Köln eingereicht hat.

Auf knapp 100 Seiten haben die indeland-Kommunen darin skizziert, wie sie sich die Gestaltung der Region für die nächsten Jahrzehnte vorstellen. Das Ziel ist es, die unterschiedlichen Vorhaben im neuen Regionalplan zu verankern und damit die raumplanerische Grundlage für eine positive Entwicklung des indelandes nach dem Ende der Braunkohleförderung zu schaffen.

„Ab 2030 füllt sich der vollständig ausgekohlte Tagebau Inden zum Indesee, was eine große Attraktivitätssteigerung für das Arbeiten und Leben im Seeumfeld bedeutet“, beschreibt Oliver Lühr, Principal der Prognos AG in Düsseldorf, die wohl tiefgreifendste Veränderung der Region seit Beginn der Braunkohleförderung im Jahr 1957. Zusammen mit seinem Team hat Lühr den Fachbeitrag im Auftrag der EwiG verfasst und dafür eine Vielzahl von Fachgesprächen mit Vertretern von Politik, Wirtschaft und anderen relevanten Interessengruppen geführt.

Das indeland setzt auf Wachstum

„Die wichtigste Aussage des Fachbeitrags lautet: Das indeland will bedarfsgerecht, ressourcenschonend und sozialverträglich wachsen“, so Lühr bei der Präsentation des Fachbeitrags im Rahmen der 1. Strukturwandelkonferenz des Kreises Düren und des 7. Zukunftslabors indeland 2019 Ende Juni in Düren. Aus dieser zentralen Botschaft ergäben sich „bestimmte Anforderungen an die künftige Flächennutzung im indeland, die für die Regionalplanung in den nächsten Jahrzehnten von Bedeutung sein werden“.

Der Fachbeitrag fasst diese Anforderungen zusammen. Er legt vor allem dar, dass die außergewöhnlichen Perspektiven für das indeland, nicht nur aus der Entstehung des Indesees hervorgehen. „Es existieren vielmehr eine ganze Reihe von Potenzialen und Komponenten des Wandels, die sich in vier Argumentationslinien gliedern lassen“, erläutert Lühr. Zwei Argumentationslinien beziehen sich auf „Wirtschaft und Arbeit“ und sind zusammen als „indeland Valley“ betitelt. Die beiden anderen bündeln Aspekte rund um „Wohnen und Leben“ und lassen sich unter dem Schlagwort „Lebensraum indeland“ zusammenfassen.

„Die vier Argumentationslinien benennen Ziele für die Entwicklung von Arbeits- und Wohnstandorten und verorten diese räumlich“, so Lühr. Sie bilden damit eine wichtige Grundlage für das im Fachbeitrag dargestellte gemeinsame Raumbild der Kommunen des indelandes. Und sie zeigen laut Lühr zugleich: „Nur dort, wo Potenziale des Wandels vorhanden sind, ist eine zusätzliche Flächenausweisung sinnvoll; und nur dort, wo auch Flächenangebote gemacht werden können, können sich die Potenziale entfalten.“

Vier Raumbilder zeigen Potenziale und Chancen

Das Gesamtraumbild des indelandes baut sich aus vier verschiedenen Ebenen auf. Neben Raumbildern für „Wirtschaft und Arbeit“ und „Wohnen und Leben“ gibt es weitere für „Freiraum und Landwirtschaft“ und „Mobilität und Infrastruktur“. Sie bauen auf den bestehenden Grundlagen auf, die von den Kommunen für ihren „Zukunftsraum“ bereits mit dem Masterplan indeland 2030 und der Vision indeland 2050+ formuliert wurden. Wie diese Dokumente ist auch der Fachbeitrag indeland 2.0 offen für Ergänzungen und kann bei Bedarf fortgeschrieben oder an geänderte Rahmenbedingungen angepasst werden.  

Die im Fachbeitrag ausführlich erörterten Raumbilder (siehe weitere Beiträge unserer Serie zum Fachbeitrag  [LINK]) zeigen, dass sich ein Großteil der Entwicklung des indelandes auf das Gebiet um den späteren Indesee fokussiert. Darüber hinaus werden Investitionen in die Infrastruktur, sowohl in den Straßen- als auch in den Schienenverkehr,  die Erreichbarkeit der Region verbessern. Vor allem die Achsen Aachen–Eschweiler–Köln und Aachen–Jülich–Köln sollen ausgebaut werden und eine Erreichbarkeit des Sees und der Orte des indelandes über verschiedene Wege und Mobilitätsarten gewährleisten.

Von der verbesserten Infrastruktur wird die Wirtschaft profitieren. Positive Effekte ergeben sich für Forschungseinrichtungen und Betriebe, die Synergien aus den Vernetzungen und neuen Anbindungen gewinnen können. Wichtige Wachstums- und Entwicklungsimpulse gehen dabei gleich von mehreren großen Industrie- und Forschungskomplexen, sowohl in Eschweiler und Jülich als auch in den anderen Anrainerkommunen aus, die aufgrund ihrer regionalen und überregionalen Bedeutung zu einem Netz aus „Satelliten“ verbunden und zusammengedacht werden können. Insgesamt wird die Region damit als Standort auch für weitere Unternehmen interessant. Ebenfalls profitieren werden Gastronomie und lokale Tourismusanbieter, vor allem in Inden in unmittelbarer Nähe zum See, aber auch auf in Niederzier, das künftig zwischen Indesee und Hambacher See liegen wird.

Perspektiven durch Wachstum in den Ballungsräumen

Neue Chancen für das indeland ergeben sich außerdem durch das dynamische Wachstum in den benachbarten Ballungsräumen in der Region Aachen und entlang der Rheinschiene. Vor allem im Raum Köln sind die Flächen begrenzt. Unternehmen, die attraktive Investitionsflächen wünschen, und Familien, die bezahlbaren Wohnraum suchen, geraten dort zunehmend unter Druck. Die Mieten liegen für weite Teile der Bevölkerung bereits über der finanziellen Belastungsgrenze. Die Regionalplanung sucht daher konkret nach Flächen außerhalb der Ballungsräume, die über eine gute Verkehrsanbindung verfügen.

 „Diese genannten Standorte und Potenziale benötigen zeitnah, aber auch im Laufe der nächsten Jahrzehnte ausreichend Raum zur Entfaltung“, betont Experte Lühr. „Eine Flächenbereitstellung ist immer dort wichtig, wo sich spezifische Potenziale entfalten können.“

Neben der Neuaufstellung des Regionalplans seien auch die Ergebnisse der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ von elementarer Bedeutung für die Entwicklung im indeland, da der Transformationsprozess im Rheinischen Revier insgesamt unter neue, schnellere Vorzeichen gestellt wurde. Für das indeland als Teil dieser Region seien organisatorischen und finanzstrukturellen Implikationen der Kommissionsergebnisse erheblich.

Fazit: Strukturwandel ist Chance für das indeland

Für die Autoren des Fachbeitrags ist die aktuelle Situation des indelandes vor allem eine einmalige Chance. „Das indeland kann als erste Teilregion zeigen, wie die Energieversorgung, die Mobilität, das Wohnen und das Arbeiten von morgen gestaltet werden können, und somit, wie ein nachhaltiger Strukturwandel umgesetzt werden kann“, resümiert Oliver Lühr. Er ist davon überzeugt, dass sich die Lebensqualität im indeland künftig weiter erhöhen wird und auch die Bewohner dem bevorstehenden Wandel positiv gestimmt entgegensehen. „Es gilt nun, die Erwartungen aller Akteure zu erfüllen, die aufgezeigten Potenziale zu nutzen und mögliche Risiken zu vermeiden, indem man den Wandel im Dialog mit allen Beteiligten gestaltet.“ Der Fachbeitrag indeland 2.0 bildet hierfür die geeignete Grundlage.

 

Dieser Blog-Artikel ist Teil einer Serie zum Fachbeitrag indeland 2.0:

  1. Fachbeitrag indeland 2.0 – Diese Ziele verfolgen die indeland-Kommunen
  2. Raumbild Wirtschaft und Arbeit – Neue Arbeitsplätze für die Region
  3. Raumbild Wohnen und Leben – Neue Lebensqualität am Seestandort
  4. Raumbild Mobilität und Infrastruktur – Neue Verbindungen schaffen
  5. Raumbild Freiraum und Landwirtschaft – Neue Perspektiven für Landschaft und Natur

 

Der komplette Fachbeitrag indeland 2.0 als Download:
www.indeland.de/downloads