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Neue Wege für das Regenwasser

Ressourceneffiziente Neubaugebiete - 03.05.2019 10:00
Neue Wege für das Regenwasser
indeland-Studie zeigt, wie Kommunen mit interessanten Entwässerungskonzepten gleichzeitig das Klima und die öffentlichen Haushalte schonen

Das indeland wirbt für einen neuen Umgang mit Niederschlagswasser. Die von der Entwicklungsgesellschaft indeland beauftragte Studie „Ressourceneinsparung bei der entwässerungstechnischen Erschließung“ zeigt, wie sich Regenwasser ressourceneffizient ableiten lässt. Erstellt wurde sie im Rahmen des Projekts „MORO Lebendige Regionen“ vom Ingenieurbüro Franz Fischer in Erftstadt.

„In dem Papier zeigen die Autoren, welche Alternativen es zur zunehmenden Versiegelung und unterirdischen Ableitung des Niederschlagswassers gibt“, so Klaus Dosch, Leiter der Faktor X-Agentur im indeland, der die Studie fachlich begleitete. Schon in den 80er-Jahren habe man erkannt, dass sich die Speicherung und das langsame Versickern und Verdunsten des Wassers positiv auf die Umwelt auswirken. Angesichts extremer Hitzeperioden und zunehmendem Starkregen habe das Thema heute wieder neue Aktualität gewonnen.

Wasserkreislauf natürlicher gestalten

„Das Ziel ist eine Abkehr vom Ableitungsprinzip und eine Annäherung an das natürliche Abflussregime“, erläutert Dosch. „Auf diese Weise lassen sich erhöhte Abflussspitzen in den Gewässern, verminderte Grundwasserbildung und Hitzestau in Siedlungsräumen vermeiden.“

Die Autoren der MORO-Studie stellen verschiedene, bereits erprobte Ansätze für den neuen Umgang mit dem Regenwasser dar. Daraus lassen sich quasi wie im Baukastensystem maßgeschneiderte Entwässerungslösungen für Neubaugebiete entwickeln. Anhand konkreter Varianten wird dabei beispielhaft für das Baugebiet „Am Lützeler Hof“ in Inden-Altdorf gezeigt, wie sich Wasserkreislauf und Ressourceneffizienz mit entsprechend angepassten Planungen gut in Einklang bringen lassen.

Statt einer zentralen Entwässerung in einen großen Stauraumkanal unter der Straße, empfiehlt die Studie eine dezentrale oder semizentrale Entwässerung. Diese schätzen die Experten als deutlich günstiger ein – sowohl aus wasserwirtschaftlicher Sicht als auch hinsichtlich des Ressourcen­verbrauchs und der damit verbundenen Kosten. Demnach können mit einer semizentralen Niederschlagsentwässerung mit Straßenableitung rund 70 Prozent der Kosten gegenüber einem zentralen System eingespart werden.

Entwässerung dezentral organisieren

„Das Regenwasser von Dachflächen und Straße versickert bei dieser Lösung in einem Muldensystem im Grünbereich“, erläutert Dosch. „Es läuft auf seinem Weg in die Tiefbeete und Mulden breitflächig über die Straße, teilweise in größeren Straßenrinnen, was den Komfort auf der Straße bei extremen Regenereignissen etwas einschränkt.“ Selbstverständlich sei das System so bemessen, dass auch bei starkem Regen keine gefährdenden Fließtiefen und -geschwindigkeiten entstehen. Durch eine konsequente Gefälleorientierung wird eine Überflutung von Gebäuden bei extremen Niederschlägen vermieden.

„Wichtig für die Akzeptanz einer solchen offenen Ableitung ist ein ansprechender Charakter des gesamten Straßenraums“, ergänzt Dosch. Möglich sei dies zum Beispiel durch eine gestalterische Betonung der Abflussrinnen oder die gezielte Integration des Wassers als erlebbares Element auf Spiel- und Freizeitflächen. Zudem wird die Straßenbreite der Haupterschließungsstraße verringert und ein attraktives Mischprinzip für die Straße vorgesehen. Zur Verringerung der Wassermenge im Ableitungssystem trägt zudem bei, dass befestigte Flächen auf den Grundstücken, wie Stellplätze oder Terrassen, grundsätzlich durchlässig sein müssen.

Planungen kosteneffizient gestalten

„Die Studie zeigt, dass bei frühzeitiger Einbindung entsprechender Ansätze in die Bebauungspläne wirtschaftlich sehr interessante Lösungen möglich sind“, fasst Faktor X-Experte Dosch die Ergebnisse zusammen. „Die Kommunen schaffen nicht nur attraktive, ressourcenschonende Wohngebiete, sondern haben auch die Chance, ihre Kosten insgesamt zu senken.“

Die Ergebnisse der Studie sind Teil des Modellvorhabens der Raumordnung (MORO) „indeland – Raum schaffen durch Ressourceneffizienz – Mehr aus weniger machen“, das seit 2016 im indeland läuft. Koordiniert wird das Projekt mit bundesweit zwölf Modellregionen im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn.

 

Weitere Informationen:
Faktor X Bauhandbuch