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Klimaschutz mit Second-Hand-Baustoffen 

Neue Faktor X-Häuser in Inden sind mit gebrauchten Fassadensteinen besonders umweltfreundlich  –  ressourcenschonend und dauerhaft mit attraktiver Optik. - 13.08.2020 16:00
Klimaschutz mit Second-Hand-Baustoffen 

Klimaschutz mit Second-Hand-Baustoffen

Neue Faktor X-Häuser in Inden sind mit gebrauchten Fassadensteinen besonders umweltfreundlich  – ressourcenschonend und dauerhaft mit attraktiver Optik.

Wer derzeit mit offenem Blick durch das Neubaugebiet „Am Lützeler Hof“ in Inden läuft, kann sehen, wie schön Klimaschutz beim Bauen sein kann: Zwei der Häuser werden mit gebrauchten Backsteinen verklinkert. Das ist nicht nur umweltfreundlich und sieht attraktiv aus, sondern rechnet sich auch für den Bauherrn.

Den Bausteinen, aus denen die Fassaden der beiden Neubauten in der Kapellenstraße entstehen, sieht man ihr Alter an. Viele haben kleine Macken und auch die Größen unterscheiden sich leicht. Immer wieder müssen die Fassadenbauer sorgfältig prüfen, ob die alten Steine an die vorgesehene Stelle passen. Die Arbeiten an den Außenwänden gehen dadurch etwas langsamer voran als bei anderen Häusern in der Straße. Trotzdem ist Oliver Engels, Bauherr eines der Häuser, zufrieden. „Die gebrauchten Klinker verleihen dem Gebäude richtig Atmosphäre und werden mit der Zeit immer schöner.“

Faktor-2-Status dank alten Steinen

Noch wichtiger als die Ästhetik ist Engels bei der Planung der Gedanke der Ressourceneffizienz gewesen. Durch die gebrauchten Ziegel erreicht sein massiv errichtetes Zwei-Familien-Haus auch mit einer Klinkerfassade den Faktor-2-Status, verbraucht also auf seine gesamte Lebensdauer nur halb so viel Rohstoffe und Energie wie ein vergleichbares konventionell gebautes Wohnhaus. Der positive Ressourcenschutz-Effekt rührt daher, dass die Steine nicht neu produziert werden mussten.

„Diese Fassade ist ein gutes Beispiel dafür, wie einfach ressourceneffizientes Bauen sein kann“, erläutert Anne Albrecht von der Faktor X-Agentur der Entwicklungsgesellschaft indeland GmbH. Sie berät Bauinteressierte, Architekten und Planer in der LEADER-Region Rheinisches Revier an Inde und Rur, wie sie ihre Neubauten möglichst ressourceneffizient errichten können. „Die Möglichkeiten, den Faktor 2 zu erreichen, sind mit der kreativen Kombination unterschiedlicher Baustoffe oder der Planung smarter Grundrisse praktisch unbegrenzt. Ob Holzkonstruktion, Zellulosedämmung oder eben gebrauchte Steine – es gibt viele Wege zu mehr Klimaschutz beim Bauen.“

Rund 30 Tonnen CO2 gespart

Mit den gebrauchten Steinen beläuft sich die CO2-Einsparung für die beiden Häuser in der Kapellenstraße auf rund 30 Tonnen – was etwa 240.000 Kilometern mit einem Mittelklasseauto entspricht. Hinzu kommt, dass die Vorsatzschale aus Vollziegel deutlich dauerhafter ist als die üblichen Putzfassaden beim Wärmedämmverbundsystem.

In der Anschaffung sind die gebrauchten Steine aufgrund der Wiederaufbereitung zwar etwas teurer als Neuware, doch bei den beiden Bauvorhaben in Inden haben sich das Durchhaltevermögen des planenden Architekten bei der Suche und sein Verhandlungsgeschick ausgezahlt. Er kaufte die Klinker letztlich bei einem niederländischen Abbruchunternehmen – ohne Mehrkosten im Vergleich zu neuen Standard-Klinkern. Die wären übrigens keine Alternative für Bauherr Engels gewesen: „Mit neuen Fassadensteinen sähe die Klimabilanz des Hauses deutlich schlechter aus, und ich hätte diese charaktervolle Fassade vielleicht erst in 20 oder 30 Jahren gehabt.“

Die beiden modernen Wohnungen in seinem Haus hat er bereits ein halbes Jahr vor der Fertigstellung für künftige Mieter reserviert. Für die gute Nachfrage bei den Mietwohnungen sind auch die wiederverwerteten Steine mitverantwortlich, ist er sich sicher. „Die Verbindung von moderner Ressourceneffizienz und klassischen Baustoffen macht dieses Haus einzigartig und damit – für alle Beteiligten – zu einer sehr attraktiven Immobilie.“

Bildinfo: Bauherr Oliver Engels (li.) und Anne Albrecht von der Bauberatung der Faktor X-Agentur der Entwicklungsgesellschaft indeland GmbH.
Foto: Daniel Albrecht