Geben Sie einen Suchbegriff ein und drücken Sie 'Enter'

„Interkommunale Gewerbegebiete bringen den Strukturwandel voran“

Interview Planung und Flächen - 15.04.2020 09:29
„Interkommunale Gewerbegebiete bringen den Strukturwandel voran“

Eine leistungsfähige Wirtschaft ist das Rückgrat einer lebendigen Region. Die Förderung von Wissenschaft und Forschung zählt zu den zentralen Anliegen der Entwicklungsgesellschaft. Warum das indeland dabei vor allem auf interkommunale Gewerbegebiete setzt, erläutert Dr. Benno Esser, Projektmanager Planung und Flächen der Entwicklungsgesellschaft indeland GmbH, im Interview.

Warum setzt das indeland auf interkommunale Gewerbegebiete?

Dr. Benno Esser: Es geht darum, sparsam mit der knappen Ressource Fläche umzugehen. Neben der Nutzung für Gewerbe und Industrie gibt es weitere Nutzer, die hier berechtigte Ansprüche stellen: Landwirtschaft, Verkehr, Freizeit und Natur. Es ist also vernünftig, an bestimmten, verkehrsmäßig günstig gelegenen Flächen mit einer möglichst geringen Bodenwertzahl größere zusammenhängende Flächen für die überregionale Vermarktung anzubieten. Da dies aber über den nachweisbaren Bedarf einer Kommune hinausginge, schließen sich mindestens zwei Kommunen zur Entwicklung eines interkommunalen GE/GI-Gebiets zusammen.

Welche Chancen ergeben sich für den regionalen Strukturwandel?

Dr. Benno Esser: Die wirtschaftliche Transformation geht einher mit der Ansiedlung neuer Branchen und der Erweiterung vorhandener Ansätze. Dazu braucht es entsprechend planerisch abgesicherte Flächen, mit denen rund um einen inhaltlichen Schwerpunkt gezielt neue Unternehmen angeworben werden können. Dies bringt den Strukturwandel in der Region konkret voran.

Gibt es bereits Beispiele?

Dr. Benno Esser: Der Brainergy Park in Jülich und der Future Mobility Park in Aldenhoven/Baesweiler sind Beispiele für die erfolgreiche Entwicklung von interkommunalen Gewerbegebieten. Hier kooperieren Kommunen bereits intensiv, auch über Kreisgrenzen hinaus.

Wie wirken sich interkommunale Gewerbegebiete auf die Wirtschaftsstruktur im Rheinischen Revier aus?

Dr. Benno Esser: Ab einer gewissen Flächenbedarfsgröße werden Unternehmen eine Ansiedlung in der Regel nur noch im Rahmen von interkommunalen Gewerbeflächen realisieren können. Sie fungieren dann gleichsam als wirtschaftliche Impuls­geber in der Region und ziehen Sekundärinvestitionen in den Bereichen Dienstleistungen und Handwerk nach sich. Das wiederum bedeutet, dass die Kommunen neben den neuen interkommunalen GE/GI-Flächen auch Flächen zur Umsiedlung oder Erweiterung bestehender Betriebe vorhalten müssen.

Wie fügt sich das Gewerbeflächenkonzept des indelandes in die übergeordnete Flächenplanung ein?

Dr. Benno Esser: 2019 wurde durch die Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) ein Prozess der Bestandserfassung vorhandener und kurzfristig auch eigentumsrechtlich verfügbarer GE/GI-Flächen in den sogenannten Anrainerkommunen im Rheinischen Revier angestoßen. Dort flossen die Informationen aus unserem GE-Konzept ebenso ein wie in den Prozess der Neuaufstellung des Regionalplans Köln und den „Zukunftsprozess Planung“ in der Region Aachen.

Die EwiG begleitet darüber hinaus mehrere Bauprojekte in den Kommunen. Welche Bedeutung haben diese für die Entwicklung der Region?

Dr. Benno Esser: Anfangs ging es vor allem um Leuchtturmprojekte, damit das indeland überhaupt wahrgenommen wird. Am bekanntesten ist sicherlich der Indemann, es gibt jedoch noch weitere Beispiele: Das Faktor 4-Haus in Inden dient als Anschauungsobjekt, wie man zu etwa gleichen Kosten ein Wohngebäude unter ressourceneffizienten Aspekten bauen kann. Das InfoCenter im ehemaligen Bahnhof Langerwehe, das von der Gemeinde betrieben wird, wurde von der EwiG finanziert; dort gibt es touristische Informationen über das indeland und die nahe gelegene Eifel.

Die Sophienhöhe in Niederzier, Jülich und Titz wird sich weiter zu einem touristischen Anziehungspunkt mit Erholungswert entwickeln. Schon jetzt nutzen Spaziergänger, Radfahrer, Jogger und Reiter die vielen Wege. Im Rahmen einer sanften touristischen Entwicklung soll ein weiteres InfoCenter entstehen, das neben Informationen auch eine einfache Einkehrmöglichkeit bieten soll.

 

Weitere Informationen zur Arbeit des Projektmanagements Planung und Flächen finden Sie im Jahresbericht 2019 der Entwicklungsgesellschaft indeland GmbH. www.indeland.de/downloads