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indeland-Historie (Teil 1): Die Anfänge bis 2005

16.09.2020 15:31
indeland-Historie (Teil 1): Die Anfänge bis 2005

indeland-Historie (Teil 1): Die Anfänge bis 2005

Wie wird das Umfeld des heutigen Tagebaus Inden im Jahr 2050 aussehen? Diese Frage stellten sich die Kommunen im indeland schon vor 20 Jahren. Erstes Ergebnis war 2004 das Leitbild der WasserLandschaft Inden.

Masterplan Landschaftsplan WasserLandschaft Inden, Februar 2004
Historisches Dokument: der „Masterplan Landschaftsplan WasserLandschaft Inden“,
Planungsstand Februar 2004 

 

Der Kohleausstieg war im Kreis Düren schon Ende der Neunzigerjahre ein Thema. Beim Blick in den damals gültigen Braunkohlenplan hinterfragen Entscheidungstragende in Kreis und Kommunen damals, ob die Pläne für den Tagebau Inden nach dem Ende der Kohleförderung 2030 tatsächlich sinnvoll für die Region sind. Der Braunkohlenplan stammt aus dem Jahr 1990 und was dort zu lesen ist, entspricht der ökologischen Denkweise der siebziger und Achtzigerjahre. Vor allem die Tatsache, dass das Restloch mit Abraum aus dem Tagebau Hambach verfüllt werden sollte, passt nicht zum neuen Zeitgeist des nachhaltigen Wirtschaftens.

Wollen wir wirklich 20 Jahre lang insgesamt knapp zwei Milliarden Tonnen Material über eine Ferntrasse heranschaffen, um damit die Tagebaugrube zu füllen? Nein, sagt der damalige Bürgermeister der Gemeinde Inden, der eine enorme ökologische und soziale Belastung auf die Bürgerinnen und Bürger seiner Kommune zukommen sieht, die er unbedingt abwenden will. Er strebt daher eine Änderung des Braunkohlenplans an. Mit dem Tagebau im Westen von Inden werde in den kommenden Jahrzehnten ohnehin der größte Teil des Gemeindegebietes bergbaulich in Anspruch genommen. Da solle im Anschluss wenigstens eine sinnvolle Perspektive für die Menschen in der Region stehen.

Impulse mit Weitblick

Der Kreis Düren holt daraufhin die Aachener Stiftung Kathy Beys ins Boot, die sich seit 1988 als eine der ersten in Deutschland schwerpunktmäßig mit nachhaltiger Entwicklung befasst. Mitte der Neunzigerjahre hatte sie ein umfangreiches Konzept für nachhaltiges Wirtschaften in der Aachener Region vorgelegt und eine Reihe beispielhafter Projekte verwirklicht.

Die Stiftung begleitet die Indener Fragestellung in einem ergebnisoffenen Moderationsprozess auf einer breiten gesellschaftlichen Plattform. Insgesamt werden rund drei Prozent der Bevölkerung um den Tagebau aktiv in den Prozess eingebunden. Ein beachtlicher Erfolg, der dafür sorgt, dass es eine belastbare Basis für die weitere Entwicklung gibt.

In rund 15 Workshops mit allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen entsteht bis 2004 die Vision einer „WasserLandschaft Inden“. Mit dieser Ausgestaltung eines konkreten Landschaftsbildes für das Jahr 2050 beginnt der rote Faden der Entwicklung des indelandes: die Gestaltung des künftigen Indesees und seines Umfeldes.

Nachhaltige Entwicklung

Das Leitbild der Vision „WasserLandschaft“ verfolgt das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung und innovative Gestaltung der Folgelandschaft des Tagebaus Inden. So heißt es in dem Masterplan von 2004, dass die neugestaltete Landschaft „die Grundlage einer zukunftsfähigen Entwicklung und eines verträglichen Miteinanders von Landwirtschaft, Freizeit- und Erholungsnutzung, Naturschutz und Landschaftspflege sowie Wohnen und innovativen Wirtschaftsbetrieben“ sein soll.

Der große Vorteil, der sich durch die Beteiligung der Stiftung ergibt, ist, dass hier Vordenker mit am Tisch sitzen, die schon vor mehr als zwanzig Jahren erkannt haben, was 2020 im Bewusstsein vieler angekommen ist: Eine nachhaltige Entwicklung bedeutet letztlich einen gesellschaftlichen Wandel – und eine generationenübergreifende Aufgabe.

Die Geburt des indelandes

Mit der Erstellung des Leitbildes übergibt die Stiftung den Prozess wieder in kommunale Obhut. In den Folgejahren setzt sie jedoch immer wieder Impulse, um die Verfolgung des „roten Fadens“ zu gewährleisten. Sie ist somit in den Anfangsjahren ein wichtiger Garant für langfristig konsequentes Denken und Handeln in der Region.

Es ist ein glücklicher Zufall, dass zur gleichen Zeit die Bewerbung der Region Aachen um die „Regionale 2008“ erfolgreich ist. Es bietet sich an, die „WasserLandschaft“ als Teilprojekt zur „EuRegionale 2008“ einzubringen. Diese Perspektive motiviert die Kommunen Aldenhoven, Eschweiler, Inden und Jülich zu einem interkommunalen Zusammenschluss, aus dem schließlich das „indeland“ und die Entwicklungsgesellschaft indeland GmbH hervorgeht.

In Teil 2 der indeland-Historie, der mit dem nächsten indeland-Newsletter (Oktober) erscheint, lesen Sie, wie sich das indeland als „Landschaft in Bewegung“ zur „EuRegionale 2008“ positionierte und 2009 der Braunkohlenplan geändert wurde.

 

Weitere Informationen zur Arbeit der Aachener Stiftung  Kathy Beys zum Tagebau Inden:
https://www.aachener-stiftung.de/1996-2016/regionalentwicklung/tagebau-inden.html
 

Quelle der Abbildungen: Masterplan Landschaftspark WasserLandschaft Inden, Februar 2004 
Das kleine Bild oben links zeigt eine frühe Version der Vision „WasserLandschaft Inden“ aus dem November 2001.