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„Wandel gemeinsam gestalten“ – Kreis Düren und indeland wollen Chancen für die Zeit nach der Braunkohle nutzen

1. Strukturwandelkonferenz des Kreises Düren und 7. Zukunftslabor indeland - 27.06.2019 12:35
„Wandel gemeinsam gestalten“ – Kreis Düren und indeland wollen Chancen für die Zeit nach der Braunkohle nutzen

Düren / indeland, 24. Juni 2019 – „Gemeinsam mehr erreichen“, das haben sich die Städte und Gemeinden in der Region für die Zukunft vorgenommen. Bei der 1. Strukturwandelkonferenz des Kreises Düren, die unter dem Titel „Wandel gemeinsam gestalten“ zusammen mit dem 7. Zukunftslabor indeland am 24. Juni im neuen Kongresszentrum in Düren stattfand, probten die Vertreter der fünfzehn Kommunen demonstrativ den Schulterschluss. „Es wird jetzt auf einen Wettbewerb der Ideen ankommen“, sagte Landrat Wolfgang Spelthahn vor den rund 300 Teilnehmern mit Blick auf die von der Strukturkommission in Berlin in Aussicht gestellten Fördergelder von insgesamt 15 Milliarden Euro. „Am Ende wird es darauf ankommen, dass wir mit einem guten Modell und einem schlüssigen Gesamtkonzept überzeugen.“

Mit zwei Leuchtturmprojekten im indeland – dem Brainergy Park Jülich und dem Campus Aldenhoven – sieht Spelthahn den Kreis bereits in einer guten Position. Diese wissenschaftlichen Einrichtungen würden, wie auch das Forschungszentrum und das DLR-Institut in Jülich dafür sorgen, dass sich künftig neues Wissen in der Region ansiedelt und zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen.

Interessen und Kräfte bündeln

Besonders die indeland-Kommunen, zu denen auch die Stadt Eschweiler (StädteRegion Aachen) zählt, haben bereits viel Erfahrung in der Begleitung strukturrelevanter Projekte gesammelt. „Der Fachbeitrag des indelandes zur neuen Regionalplanung ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir die einzelnen Interessen der Gemeinden zusammenführen und dann gegenüber anderen Ebenen erfolgreich vertreten können“, sagte Jens Bröker, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft indeland GmbH (EwiG). Er betonte jedoch auch, dass der erfolgreiche Strukturwandel jetzt vor allem Orientierung und Verlässlichkeit brauche.

„Das Rheinische Revier kann zu einem europäischen Zukunftsraum werden. Entscheidend dafür ist allerdings die langfristige Absicherung des Kompromisses der Strukturkommission, unter anderem durch ein Strukturstärkungsgesetz auf Bundesebene“, so Bröker. „Dieses würde es uns die Möglichkeit geben, sowohl den wirtschaftlichen Wandel zu gestalten als auch das Rheinische Revier als größte Landschaftsbaustelle Europas zukunftsgerecht weiterzuentwickeln.“

Teamgeist statt Kirchturmdenken

Die Landtagsabgeordnete Dr. Patricia Peill appellierte an die Anwesenden, auf die eigene Leistungsfähigkeit zu vertrauen. „Frag nicht, was der Strukturwandel für dich tun kann, sondern was du für den Strukturwandel tun kannst“, forderte sie die Menschen im Kreis Düren auf.

Die ganze Region müsse ihren guten Charakter zeigen, damit die großen Ziele erreichen werden. Peill: „Wir brauchen eine positive Fehlerkultur statt Schwarzer-Peter-Politik, Teamgeist statt Kirchturmdenken. Wie bei einem Zahnradgetriebe müssen alle Akteure in der Region gemeinsam agieren. Wenn einer blockiert, bleiben wir alle stehen.“

Die Vertreter der Kommunen, die auf dem Podium ihre spezifische Perspektive präsentierten, waren sich darin einig, dass der Strukturwandel eine einmalige Chance für die Region darstelle. Selbst die Kommunen im Kreis, die nicht unmittelbar von der Schließung der Tagebaue betroffen sind, seien „Chanceninhaber des Strukturwandels“.

Eine Aufgabe sehen die Gemeinden nun darin, den Menschen die Angst vor der wirtschaftlichen Transformation zu nehmen und dafür zu sorgen, dass sich niemand im Stich gelassen fühlt. So werde es in den kommenden Monaten verstärkt darum gehen, Bürgerinnen und Bürger in den Strukturwandelprozess einzubeziehen und zu Wort kommen zu lassen.

Wissenschaft und Region enger verzahnen

Welch große Chancen der Kreis Düren und das indeland für die Zukunft haben, zeigte sich nicht nur in der großflächigen Darstellung der Indesee-Vision hinter der Bühne, sondern diese Perspektive zog sich wie eine roter Faden durch die gesamte Veranstaltung. So präsentierten Prof. Dr. Harald Bolt vom Forschungszentrum Jülich und Prof. Dr. Bernhard Hoffschmidt vom DLR, welche Synergien aus einer engen Verzahnung von Wissenschaft und Region entstehen können. Sei es durch die Ansiedlung neuen Know-hows, etwa in den Bereichen künstliche Intelligenz und Bioökonomie, oder durch die teils schon vorhandene Expertise in den Bereichen Energiewandel und Rekultivierung.

Im Rahmen der Podiumsdiskussion mit Vertretern aus der Landesregierung, des Rheinischen Reviers sowie der Nachbarregionen Aachen und Köln/Bonn wurden zudem die zusätzlichen Potentiale des Rheinische Reviers deutlich. „Wir glauben, dass dieser Raum mittelfristig zwischen 100.000 und 150.000 Menschen zusätzlich verträgt, die wir an der Rheinschiene nicht mehr unterkriegen“, sagte Dr. Reimar Molitor vom Region Köln/Bonn e. V. Mit seiner Wachstumsoffensive habe der Kreis Düren hier bereits wegweisende Antworten gefunden. Ebenso das indeland, das mit dem Fachbeitrag entsprechend Einfluss auf die Regionalplanung nimmt.

Im Fachbeitrag 2.0 zur neuen Regionalplanung benennen die zentralen Akteure im indeland sowohl ihre planerischen Ziele als auch die Flächen, in denen sich der Strukturwandel entfalten kann. „In der Region hat man erkannt, dass die Zeit und der Raum bis zum Ende des Tagebaus der Schlüssel für eine gute Zukunft sind“, sagte Oliver Lühr, Principal der Prognos AG in Düsseldorf, die den Fachbeitrag im Auftrag der EwiG verfasst hat. Der Fachbeitrag ist das Ergebnis einer Vielzahl von Gesprächen, die Prognos in der Region geführt hat – mit den Kommunen und den Nachbarregionen sowie verschiedenen Interessengruppen, wie etwa der Landwirtschaftskammer. 

Nur diese breite Basis sei das Fundament auf dem der Strukturwandel gelingen kann, hatte zuvor schon EwiG-Geschäftsführer Bröker betont. „Die Sorge um eine gute Zukunft gehört nicht einer einzelnen Gruppe, sondern diese Sorge und Vorsorge ist unser aller Aufgabe. Gute Zukunft geht nur gemeinsam.“

Durch die Veranstaltung führte der Moderator Dr. Stephan Kaußen.

 

Pressekontakt: Ricarda Springer, Entwicklungsgesellschaft indeland GmbH, 02421/221084112